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Auslaufen im sitzen, Fixierhosen und Windelpants unterwegs wechseln

23 Dez 2023 21:15 #51 von Dasch
Hallo zusammen,

Ich habe inzwischen mit meinem Mann gesprochen. Er kam ins Schlafzimmer, während ich die Elektrostimulation gemacht habe. Das war dann ein guter Einstieg in das Thema. Er hat sehr besorgt und verständnisvoll reagiert. Das verstecken hat mich doch zusätzlich ziemlich gestresst, da ist jetzt viel Druck weg.
Trotzdem beschäftigt mich die Inkontinenz sehr und ich möchte die Windeln so schnell wie möglich wieder wegbekommen.
@ Martin: Inzwischen glaube ich auch, dass es nicht mehr "nur" eine Belastungsinkontinenz ist.
Heute war es wieder sehr schlimm, ich hatte/habe gar keine Blasenkontrolle mehr. Teilweise fühlte es sich an wie eine erneute Blasenentzündung (ständiger Harndrang), der Urinstick zeigte keine erhöhten Werte an. Vielleicht doch psychisch - Stress vor Weihnachten?
Gibt es irgendetwas (außer Ablenkung) was man bei ständigem Harndrang machen kann. Ich habe das Gefühl, dass inzwischen alles verspannt und verkrampft, da ich ständig durch den Harndrang die ganze Zeit versuche anzuspannen. Es fühlt sich so unangenehm an, dass ich schon das Bedürfnis habe einfach locker zu lassen und es "laufen lassen". Da macht mein Kopf nicht mit, obwohl ich es heute kaum zur Toilette geschafft habe. Und das jetzt alles vor den Feiertagen, hoffe, dass jemand Erfahrung oder eine Idee hat, so dass ich meinen Kopf etwas frei bekomme und Weihnachten genießen kann.
Jetzt habe ich genug gejammert, ich wünsche allen frohe, besinnliche Festtage.
Herzliche Grüße Dasch

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24 Dez 2023 00:22 - 24 Dez 2023 00:25 #52 von martinK
Hallo Dasch

Bravo! Nun bist Du wieder einen Schritt weiter. Gut, dass Dein Mann verständnisvoll reagiert hat, ehrlich gesagt habe ich nichts anderes erwartet.

Ich hatte jahrelang Probleme mit verspanntem Beckenboden. Seit ich regelmässig Entspannungsübungen mache und eine Immoglobulintherapie durchführe, ist‘s viel besser. Ebenfalls habe ich gemerkt, dass sich mein Beckenboden verspannt, wenn ich versuche, den Harnverlust zu verhindern. D.h. entweder schaffe ich es im Fall von Harndrang gleich auf die Toilette, oder dann lasse ich den Harn am besten fliessen und entspanne mich dabei so gut es geht, damit ich möglichst vollständig entleere. Das Unterdrücken des Harndrangs klappt nur sehr schlecht und führt zu verspanntem Beckenboden und mühseliger Entleerung in vielen kleinen Mengen..

Vielleicht sind die Biofeedbackübungen bei Dir auch kontraproduktiv.

Ich wünsche Dir, dass Du trotz allem die Festtage mit Deiner Familie geniessen kannst. Lass die Blase nicht Deinen Alltag bestimmen, je mehr Du Dich stressen lässt, um so schlimmer wird‘s mit dem Harndrang. Da Du geschützt bist, ist es ja keine Katastrophe, wenn Du es mal laufen lässt.

Herzliche Grüsse
Martin

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24 Dez 2023 10:40 #53 von Dasch
Hallo Martin,

das hilft mir sehr, vielen dank.
Gestern war das wahrscheinlich so ein Kreislauf, je mehr ich versucht habe den Harndrang zu unterdrücken und den Harnverlust zu verhindern, umso schlimmer wurde es. Ich hatte dann irgendwie "Dauerharndrang" und alles fühlte sich verspannt an und schmerzte.
Heute morgen ist es wieder deutlich besser, ich habe heute Nacht wohl tief geschlafen, den Beckenboden entspannt und eingenässt. Das ist mir sehr unangenehm, aber das muss ich im Moment wohl akzeptieren und annehmen.
Heute bin ich in der Kirche als Helfer. Dann kann ich nicht ständig zur Toilette rennen. Da bleibt mir dann wohl nichts anderes übrig, als es einfach laufen zu lassen und zu vertrauen, dass alles dicht hält. Es widerstrebt mir zwar, aber eine andere Möglichkeit sehe ich nicht.
Durch die Essstörung sind es für mich im Moment zwei große Herausforderungen und ich bin froh, wenn Weihnachten vorbei ist.
Liebe Grüße
Dasch

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26 Dez 2023 11:34 #54 von martinK
Hallo Dasch

Ich hoffe, der Tag in der Kirche und die Weihnachtsfeier war ein Erfolg und kein Stress; ich finde es super, wenn Menschen sich gesellschaftlich engagieren!

Ich bin nun seit über acht Jahren inkontinent und habe gelernt, zu akzeptieren, dass ich die Blase nicht kontrollieren kann. Wenn ich Drang spüre und eine Toilette in der Nähe ist, versuche ich meistens, kontrolliert zu entleeren. Ebenfalls gehe ich zu gewissen Zeiten, am Morgen, bei jedem Hilfsmittelwechsel und am Abend vor dem Schlafengehen auf die Toilette. Ich akzeptiere es aber auch, wenn ich auf der Toilette mal nicht entleeren kann oder das Hilfsmittel einnässe, was leider häufiger geschieht als die kontrollierte Entleerung. Im Vordergrund steht meine Gesundheit und mein Wohlbefinden. Gestresst bin ich nur noch, wenn ich über mehrere Stunden trotz Harndrang keinen Tropfen rausbringe, weil mein Blasenschliessmuskel dicht macht, und ich ihn nicht entspannen kann. Ebenfalls ist Stuhlverlust eine Katastrophe für mich, da hilft das Hilfsmittel nur in der Situation des Verlusts; danach muss ich nach Hause um zu Duschen und den ganzen Ekel loszuwerden. Zum Glück kommt beides selten vor.

Matti hat es weiter oben geschrieben, es hilft, sich nicht zu sehr auf die Inkontinenz zu fixieren und die vielen schönen Seiten des Lebens nicht zu vergessen, sondern diese um so mehr zu geniessen. Es gibt viele Menschen, die keine Passion im Leben haben; Du hast das Schwimmen, das ist toll und unersetzlich! Ich schreibe dies, damit Du wegen der Probleme, die Du derzeit hast, nicht den Mut verlierst und Geduld mit Dir hast.

Herzliche Grüsse
Martin

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26 Dez 2023 14:36 - 26 Dez 2023 14:38 #55 von stephanw
Hallo Dasch,

ich kann Dir zustimmen, dass es anfangs sehr schwer zu akzeptieren ist, ein Hilfsmittel mehr oder weniger bewußt zu verwenden. Man darf nicht vergessen, dass bei einer Dranginkontinenz, und darauf deutet einiges bei Dir hin, sich zu guter Letzt in Gewissen Maße wie eine "willentliche" Entleerung anfühlt - man gibt schließlich dem Harndrang nach, entspannt den Schließmuskel und uriniert, so wie man es auch auf der Toilette tun würde. Der Unterschied zu einer gesunden Blase ist eben, dass der Harndrang so stark wird, dass einem keine andere Option mehr bleibt, als hier und jetzt einzunässen.

Ich bin seit 5 Jahren hochgradig harninkontinent (Dranginko) und habe nur wenige Sekunden Zeit (so ca. 30-60 Sekunden), bis der Harndrang unkontrollierbar wird. Über die Jahre habe ich gelernt, damit umzugehen. Für mich bedeutet es, dass ich die Inkontinenz (auch dank Psychotherapie) akzeptiere und ich mich nicht mehr dafür verurteile, wenn ich die Windel nass mache. Zum Hintergrund, ich habe Tag ca. 20-30x Harndrang der letztlich zum Einnässen führt. Ich habe mich dazu entschieden, dass ich mich auch nicht mehr stresse und nicht mehr bei jedem Harndrang versuche, doch in die Toilette zu entleeren. Wenn es klappt, z.B. weil ich gerade Stuhlgang auf der Toilette habe, freut mich das, ansonsten halte ich den Harndrang nicht mehr großartig zurück, da das zu einem völlig verkrampften Unterleib führt. Dafür trage ich die Windel und dafür ist es auch ok, wenn ich sie benutze. Mittlerweile weiß ich, dass meine Tena Windel 2 Blasenfüllungen sicher ohne auszulaufen aufnimmt und so kann ich z.B. auch in einem Meeting in der Arbeit ohne unterbrechen zu müssen, teilnehmen.

Ähnlich wie bei Martin ist einzig Durchfall/sehr weicher Stuhl & Empfindungsstörungen im Enddarm/schwacher Schließmuskel (ein Long-Covid Syndrom) ein echtes Problem, was ich aber mittlerweile dank dem Qufora MiniGo halbwegs gut unter Kontrolle habe. Mir geht es da wie ihm, wenn doch ein Stuhlinkontinenzunfall passiert, ist der nächste Weg nach einer "provisorischen" Reinigung unterwegs der Weg in die Dusche. Zum Glück passiert mir das nur noch ganz selten, auch hier hat die Übung geholfen, sich und seinen Körper besser kennenzulernen (Ernährung) und die richtigen Hilfsmittel zu verwenden.

Ich drücke Dir die Daumen, dass Du für Dich Dein passendes "Hilfsmittel-Setup" findest, evtl. bringen auch Medikamente bzw. andere Therapien (z.B. Botox) was. In jedem Fall ist eine Harn- oder auch Stuhlinkontinenz kein Weltuntergang. So traue ich mich z.B. auch Reisen zu machen, war z.B. auf einer dreimonatigen Weltreise. Man muss vermeiden, dass die Inkontinenz das Leben dominiert und einen immer mehr einschränkt. Und die Psychotherapie hat mir wirklich sehr geholfen, kann ich jedem Inkontinenzpatienten empfehlen, der mit seinem Schicksal hadert!

Viele Grüße
Stephan

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27 Dez 2023 13:31 #56 von Helmut 60
Hallo Daniela,

Auch ich kann Stephan nur zustimmen, dass es durchaus möglich ist, mit Inkontinenz ein ganz normales und schönes Leben zu führen.
Ich habe eine Dranginkontinenz ( kombiniert mit einer Tröpfelinkontinenz) und damit 10 - 15 x Drang pro Tag (+ Nachts) und habe mich relativ schnell daran gewöhnt, dass es mir mein Leben erheblich erleichtert, wenn ich anstatt jedesmal zur Toilette zu spurten und letztendlich mein Leben um die Inkontinenz herum zu planen ich einfach meine Windel benutze. Ja, auch ich spüre den Drang und spüre natürlich auch, wenn ich loslasse, aber das passiert sowieso sehr schnell und warum soll ich es fast jedesmal bis zum schmerzhaften Krampf kommen lassen?!? Ich habe akzeptiert, dass die Windeln ein recht komfortables, preiswertes und nebenwirkungsfreies Hilsfsmittel sind, die mir ein ganz normales Leben ermöglichen.
Ich wünsche dir sehr, dass du deine Inko in den Griff oder zumindest verbessert bekommst und möchte dich gleichzeitig ermutigen, dass selbst wenn das nicht gelingt ein gutes und normales, erfülltes Leben problemlos möglich ist. Es ist absolut keine Schande, sein Hilfsmittel (auch bewusst) zu benutzen, wenn es dir damit besser geht!

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27 Dez 2023 20:37 #57 von Dasch
Hallo zusammen,

@ Martin: Weihnachten war für mich insgesamt schon sehr stressig, was aber ganz massiv mit der Essstörung zusammen hängt. Durch meine Körperwahrnehmnungsstörung sehe ich mich als sehr dick und hatte vor der Kirche noch ein Kleidungsproblem (ich hatte in allen schicken Hosen das gefühlt, dass ich einen dicken hintern habe und man die Windel sieht. Meine Therapeutin hat mir dann aber bestätigt, dass man nicht sieht und es meine verzerrte Wahrnehmung ist.) Als Kirchengemeinderat war ich 2 1/2 Stunden mit vor- und nachbereiten in der Kirche beschäftigt. Ich habe dem Harndrang einfach nachgegeben mich nicht davon stressen lassen und die Tena Flex maxi hat gut durchgehalten.

@Stephan: Ich glaube, dass genau das das Problem ist, es fühlt sich wie eine "willentliche" Entleerung an, da ich ja merke, dass ich zur Toilette muss. Den Schließmuskel zu kontrollieren funktioniert dann aber nicht mehr, ich kann ihn nicht mehr weiter anspannen (alles verkrampft und schmerzt), ich muss "locker" lassen, er öffnet sich und die Blase entleert sich. Dann lässt es sich auf nicht stoppen und läuft bis die Blase leer ist.

Wahrscheinlich dauert es einfach noch eine Weile, bis ich besser damit umgehen kann und es zur Normalität/Routine wird und ich lockerer werde. Das Schamgefühl und die Unsicherheit sind einfach noch groß. Obwohl mein Mann inzwischen von den Windeln weiß, ist es mir peinlich und ich möchte nicht, dass er mich in eine nassen Windel sieht.
Vor Weihnachten hat er unsere Mülltonne rausgebracht, früher haben wir oft nur alle 4 Wochen leeren lassen (wir zahlen einen Grundbetrag + jede Leerung). Im Moment muss die Mülltonne alle 2 Wochen geleert werden. Die Mülltonne wird auch sehr schwer. Mein Mann hat mich gefragt, ob ich irgendwas ausgemistet habe, da sie so schwer ist. Mir war dann schnell klar, dass durch nasse Windeln ganz gut Gewicht (ich habe tatsächlich eine zeitlang gewogen, um ungefähr zu wissen, wieviel eine Blasenentleerung ist, und wieviel die unterschiedlichen Windeln aufnehmen können, ohne auszulaufen) und Müll zusammen kommt, aber das konnte ich ihm in dem Moment nicht sagen.
Für mich wäre es im Moment noch ein Katastrophe, wenn meine Eltern oder Schwiegereltern etwas mitbekommen. Ich packe die Windeln zwar in kleine Blickrichtung Tüten, und diese dann in einen normalen Müllsack, aber ich mache mir große Sorgen, dass die Müllmenge und das Gewicht doch etwas verraten.
Die Gepäckmenge wird leider auch deutlich mehr. Im Moment bin ich 4 Tage bei meinen Eltern, im neuen Jahr dann 5 Tage bei den Schwiegereltern. Ich rechne mit 3 Windeln pro Tag/Nacht + 1-2 Ersatzwindeln. Die Windeln benötigen dann schon fast die Hälfte Platz in meinem kleinen Koffer.

Wie wird denn eine Dranginkontinenz festgestellt?
Meine Frauenärztin hat bisher nur eine schwere Belastungsinkontinenz als Diagnose auf das Rezept für das Beckenbodengerät geschrieben. Die Ärztin fragte mich, ob ich auch nachts öfter zur Toilette muss. Als ich gesagt habe, nur wenn ich Abends noch viel Tee trinke, hat sie die Dranginkontinenz eher ausgeschlossen. Vielleicht hätte ich aus dazusagen müssen, dass ich im Moment durch meine anderen Erkrankungen nicht mehr als 4-5 Stunden am Stück schlafe und immer vor dem schlafen und direkt nach dem Aufwachen auf die Toilette gehe (zu dem Zeitpunkt bliebt nachts noch alles trocken, das kam erst nach meinem Arztbesuch dazu).
Da es teilweise an schlechten/schwierigen Tagen alle 30 min zu starkenHarndrang kommt (z.B. einen Tag vor Heiligabend), aber die urinsticks für eine Blasenentzündung negativ waren, denke ich, dass es vielleicht doch nicht nur eine Belastunginkontinenz ist, sondern doch eher eine Mischinkontinenz.

Liebe Grüße Daniela (da ich wohl zwischendurch mal meinen richtigen Namen geschrieben habe, kann ich den jetzt zum verabschieden benutzen :blush:

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28 Dez 2023 09:17 - 28 Dez 2023 09:25 #58 von martinK
Hallo Daniela

Nun schreibe ich Dich auch mit Deinem richtigen Namen an, das ist doch viel persönlicher :).

Zur Kleidung: Ich halte wöchentlich Vorlesungen bin beruflich wie auch privat ständig um andere Menschen herum; niemandem fällt etwas auf. Einzig bei Anzugs- und Sommerhosen frage ich jeweils meine Frau, ob sie mich beim Einkauf begleiten und beraten kann. Selber schaut man viel genauer hin und hat das Gefühl, dass das Tragen des Hilfsmittels auffällt. Beim 1:1-Vergleich gibt es natürlich einen Unterschied, nur achtet niemand darauf. Es ist schade, dass hier bisher nur Männer geschrieben haben, mit einer Frau könntest Du Dich sicher besser zu diesem Thema austauschen. Hast Du eine gute Freundin, der Du Dich anvertrauen kannst, und welche Dir auch bei der Kleiderwahl und bei der Selbstwahrnehmung helfen kann? Vermutlich hilft Dir das nicht viel, aber wenn ich mir das Foto anschaue, welches Du gepostet hast, so sieht ein dicker Hintern ganz anders aus (und ist übrigens auch nichts negatives...)

Wie Du schreibst, braucht es etwas Zeit, um den richtigen Umgang mit der Inkontinenz zu finden. Ich bin zu Beginn auch jedes Mal bei Harndrang auf die Toilette gerannt (manchmal umsonst) und habe oft vergeblich mich gegen den Harnverlust gewehrt, was wie bei Dir nur kontraproduktiv war. Mittlerweile kann ich die Situation viel besser einschätzen. Ich würde trotz Inkontinenz versuchen, kontrolliert zu entleeren wenn es die Situation zulässt; unnötig einzunässen halte ich nicht für für gut.

Ich finde es auch natürlich, dass Du vor Deinem Mann nicht in nassen Windeln stehen möchtest, Scham ist per se nichts negatives. Meine Frau weiss natürlich, dass ich Hilfsmittel trage und unterstützt mich wenn nötig sehr im Alltag, aber ich möchte nicht, dass meine Inkontinenz und alle damit verbundenen Begleiterscheinungen unser Zusammenleben stören. Entsprechend versuche ich auch zu Hause auf eine natürliche Weise diskret mit dem Tragen der Hilfsmittel umzugehen.

Der Müll und die Mitnahme von Windeln ist für mich das grösste Problem der saugenden Hilfsmittel. Ich bin viel unterwegs und entsorge entsprechend oft in öffentlichen Mülleimern. Natürlich packe ich das gebrauchte Hilfsmittel auch in eine Plastiktüte. Wenn ich 3-4 Tage unterwegs bin, versuche ich mit weniger Kleider auszukommen, muss aber oft auf ein grösseres Gepäckstück zurückgreifen. Wenn wir zu zweit reisen, verteile ich die Hilfsmittel auf meinen und auf den Koffer meiner Frau. Auch wenn Du noch etwas Zeit brauchen wirst, wirst Du bestimmt Lösungen für alle diese Probleme finden. Ich würde sie auch nicht überschätzen. Wie geschrieben, finde ich es natürlich und wichtig, diskret mit der Inkontinenz umzugehen. Es ist aber bei weitem kein Weltuntergang, wenn jemand davon erfährt. Die allermeisten Menschen werden verständnisvoll reagieren und alle anderen haben wenig vom Leben begriffen...

Wenn Du alle 30 Minuten Drang spürst, so klingt das für mich schon nach einer überaktiven Blase. Bei der Untersuchung wird sicher zuerst die Anamnese und eine Uroflowmessung im Vordergrund stehen (nach dem Uroflow wird mittels Ultraschall die Restharnmenge bestimmt). Sicher wird auch Dein Urin untersucht werden, insbesondere da der Verdacht besteht, dass Deine jetzigen Probleme mit der letzten Blasenentzündung zusammenhängen. Es macht ferner Sinn, wenn Du vorher 2-3 Tage lang ein Blasentagebuch führst und die Trink- und Entleerungsmengen notierst. Da ich mehrheitlich unkontrolliert entleere, habe ich jeweils auch das Hilfsmittel gewogen, um die Verlustmenge zu dokumentieren. Aus diesem Tagebuch wird schon ersichtlich, ob Du übermässig oft Drang spürst und entleerst. Dann kann ich mir vorstellen, dass eine manuelle Untersuchung des Beckenbodens stattfinden wird. Getetest werden könnte das An- und Entspannen des Analsphinkters, die Sensorik im Damm und Oberschenkelbereich oder das Auslösen des Bulbocavernosusreflexes. Je nach Ausgang kann es sein, dass ein Termin für eine Urodynamikuntersuchung oder Blasenspiegelung vereinbart wird. Falls eine Dranginkontinenz diagnostiziert wird, erwarte ich als ersten Therapievorschlag eine Therapie mit Medikamenten. Da würde ich mich genau nach den Optionen erkundigen, zumal es eine grosse Anzahl an möglichen Medikamenten gibt. Natürlich gibt es weitere Optionen (Sakrale Nervenmodulation, Beruhigung der Blase mit Botox, evtl. Physiotherapie mit Toilettentraining), aber diese werden erfahrungsgemäss erst dann vorgeschlagen, wenn Medikamente nicht helfen.

Liebe Grüsse
Martin

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28 Dez 2023 09:18 #59 von stephanw
Hallo Daniela,

so wie ich deinen Text verstehe, hast du wirklich einen hohen Leidensdruck in deiner Partnerschaft und du versuchst deine Inkontinenz vor Deinem Mann zu verstecken, was auf Kosten persönlicher Energie geht. Je enger jedoch das persönliche Verhältnis zu einer anderen Person ist, desto weniger lässt sich allerdings eine Inkontinenz verheimlichen. Gerade in einer Ehe/Partnerschaft, wo man fast alles teilt, ist das doch kaum möglich. Wenn man mit dem verheimlichen doch erfolgreich ist, führt das oftmals dazu, dass das Gegenüber den Rückzug bemerkt und das ganze dann auf sich oder die Beziehung projeziert, und möglicherweise in ein echtes Auseinanderleben und im Worst-Case zur Trennung führt. Als bei mir die Inkontinenz angefangen hat, habe ich meiner Frau von Anfang an "reinen Wein" eingeschänkt. Sie sieht mich mit (nasser) Windel, ich schlafe so neben ihr, wir kuscheln, sie sieht auch, wie ich denn Windelmüll zum Mülleimer trage. Selbst meine Tochter weiß, dass Papa Windeln trägt. Diese Offenheit war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte, für meine psychologische Gesundheit. Ich habe in Folge meiner Erkrankung zwar auch eine Depressionen entwickelt, die ich aber mittlerweile auch dank Psychotherapie und Medikamenten wieder relativ gut in Griff habe. Das ist kein einfacher Weg, aber er lohnt sich. Bitte verstehe mich nicht falsch, man muss ja nicht alles außerhalb des engen familiären Kreises tragen, bei mir weiß z.B. nur ein sehr guter Freund von meiner Inkontinenz, allerdings nicht meine Eltern. Die familiäre Stabilität ist jedoch ein ganz wesentlicher Faktor, dass ich heute noch relativ leistungsfähig bin und trotz meiner Schwerbehinderung weiterhin einer Vollzeiterwerbstätigkeit nachgehen kann. Ich finde es gut, dass du bereits in Psychotherapie bist, evtl. macht zusätzlich eine psychiatrische Unterstützung noch Sinn.

Auch was Reisen angeht, lasse ich mich nicht (mehr) einschränken. Wir waren im Sommer erst in den USA und ich habe mein Material mitgenommen. Waren zwei große Taschen je 23kg, aber ist letztlich auch kein Problem (man trägt das Zeug ja zum Glück nicht mit zurück). Entweder fahren wir per Auto (dann ist der Kofferraum halt gerappelt voll) oder wir fliegen (da kann man medizinisches Gepäck meist kostenfrei einchecken), aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Wegen der Diagnostik:
Der erste Weg dazu ist zum Urologen. Dort wird erstmal gecheckt, ob Blutwerte / Urinstatus OK sind, dann erfolgt meist eine Ultraschallmessung. Um genau herauszufinden was die Ursache des Problems ist, wird dann normalerweise eine Urodynamik durchgeführt. Dabei wird per Katheter Flüssigkeit in die Blase eingefüllt und durch verschiedene Sensoren (in der Blase, im After) das Verhalten der Blase dokumentiert. Daraus kann man dann Rückschlüsse ziehen, welche Art der Inkontinenz vorliegt und wie diese behandelt werden kann. Bei einer Dranginkontinenz gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten, z.B. Medikamente oder auch eine Botoxbehandlung, da muss aber jeder Patient für sich entscheiden, was man machen möchte.

Ich drücke dir die Daumen, dass Du den richtigen Weg findest, mit deinen gesundheitlichen Problemen umzugehen!

LG
Stephan

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25 Jan 2024 12:14 #60 von Dasch
Hallo zusammen,
ich möchte mal wieder etwas von mir hören lassen und Rückmeldung meiner Erfahrungen geben.

Inzwischen habe ich drei kleinere Reisen unternommen. Die ersten Zwei waren im privaten Bereich, bei den Eltern und Schwiegereltern jeweils für eine knappe Woche. Für mich ist alles noch recht neu und ich habe mir (wie schon geschrieben) große Sorgen gemacht, ob alles klappt, und niemand etwas von meiner Inkontinenz etwas mitbekommen. Ich weiß, dass es theoretisch nicht schlimm wäre falls jemand etwas merkt, für mich ist es im Moment aber noch sehr schwierig und ich hoffe, dass ich bald wieder ohne Windeln auskomme.
Ich war mir sehr unsicher, wie viel ich mitnehmen muss und benötige, letztendlich hatte ich viel zu viel Inkontinenzmittel (Windeln) eingepackt und die Hälfte wieder mit nach Hause genommen. Sinnvoll wäre ein zweiter Schlafanzug gewesen, das hatte ich für diese paar Tage nicht dabei, hätte aber einen bei den Schwiegereltern gebrauchen können, da mir einmal die Windel ausgelaufen ist. Ansonsten hat so weit alles super funktioniert, keiner hat von meiner Inkontinenz/den Windeln etwas mitbekommen. Auch ein Theaterbesuch und die Autofahrt mit über 8 Stunden hat gut funktioniert und ich bin bisher ohne Einwechslung öffentlichen Toiletten ausgekommen. Das Entsorgen der Windeln ist natürlich nicht so einfach, wenn Eltern oder Schwiegereltern nichts mitbekommen sollen. Ich habe die Windeln in kleine Tütchen und diese dann in einen größeren grauen Müllsack gepackt. Da es nur ein paar Tage waren, hielt sich der Müll in Grenzen und mein Mann hat es bei den Schwiegereltern in der Restmülltonne entsorgt. Wenn es allerdings ein längerer Aufenthalt ist, dann sprengt es wahrscheinlich die Kapazitäten, vor allem ist das Gewicht auch nicht zu vernachlässigen. Bleibt die Frage, wie sich die Windeln dann entsorgen lassen, ohne Eltern oder Schwiegereltern einzuweihen.
Die dritte Reise war ein Klausurwochenende im Hotel mit einer größeren Gruppe. Auch dort hat alles super geklappt und ich habe mir im Voraus viel zu viele Sorgen gemacht.

Inzwischen war ich auch noch mal bei der Frauenärztin, da ich mit dem Elektrostimulationgerät sehr unzufrieden bin, ich hatte so viel Hoffnungen das Gerät, aber es funktioniert bei mir nicht. Ich spüre nach wie vor keine Stimulation und auf anspannen meines Beckenbodens spricht das Gerät nicht an. Mich hat es sehr frustriert und die ganze Situation hat mich psychisch ziemlich belastet. Mit dem Gerät soll ich jetzt erst mal eine Pause machen.
Da die Inkontinenz nicht immer gleich ist, es gibt Tage, da habe ich keine Probleme und andere Tage, da kann ich mehrmals am Tag meinen Urin nicht halten und habe vermehrten starken Handdrang. Die Ärztin hat den Verdacht, dass es mit meinem Hormonspiegel Zusammenhängen könnte und die Inkontinenz dadurch beeinflusst wird. Ich soll es jetzt mit Hormonzäpfchen versuchen. Der Beckenboden ist so stark geschädigt, dass ich vermutlich eine OP wegen der Belastunginkontinenz benötige. Das wird wahrscheinlich nichts an dem starken Harndrang ändern, hierfür müssen aber erst noch weitere Untersuchungen (Urodynamik) gemacht werden. Leider dauert es noch, bis ich endlich den Termin im Interdisziplinäres Kontinenz- und Beckenbodenzentrum in Tübingen habe.

Insgesamt kann ich sagen, nachdem ich für mich passende Inkontinenzhilfen gefunden habe, bei denen ich nicht ständig die Angst vor einer nassen Hose haben, traue ich mir wieder mehr zu und nehme wieder aktiv am Leben teil. Ich bekomme immer mehr „Routine“, der Wechsel einer Windel klappt deutlich schneller und einfacher. Inzwischen weiß ich auch, wann ich welches Inkontinenzhilfsmittel benötige (vor und nach dem Schwimmen eine Pants wegen der Geräusche beim Öffnen und Schließen, bei längeren Unternehmungen eine höhere Saugleistung…).
Obwohl ich festgestellt habe, dass die Windeln unter einer Hose nicht sichtbar sind, ist es mir weiter unangenehm und die Angst auszulaufen ist noch vorhanden.
Ich hoffe, dass die Hormone und die weitere Diagnostik etwas bringt und ich bald wieder mit normalen kleinen Slipeinlagen auskomme.

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