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Reizblase - Lebenseinschränkung durch ständigen Harndrang

20 Nov 2023 11:55 #1 von Angelina2703
Hallo meine Lieben, :)
ich habe heute den Mut und Schritt gefasst, mich hier anzumelden. Ich bin 30 Jahre jung, nicht verheiratet, keine Kinder.

Je älter ich werde umso mehr habe ich das Gefühl, es wird immer schlimmer mit meinem häufigen Harndrang. Seit ich denken kann, war ich schon immer diejenige die viel öfters zur Toilette musste als andere.

Mittlerweile ist es so schlimm, dass es mich dermaßen in meinem Alltag einschränkt und mich phsychisch so fertig macht, dass ich gestern beschlossen habe ich muss mir etwas suchen wo man offen darüber reden kann und sich austauschen, vielleicht hilft mir dies.

Ich war bereits bei Urologen etc...Nieren und Blasenfunktion ist alles in Ordnung. Ich bin hier einfach so "angehaucht".
Ich habe vom Urologen Tabletten bekommen, welche ich aber noch nicht genommen habe, da ich immer sehr auf Nebenwirkungen reagiere und Angst habe das auch hier wieder nur Schlechtsein auf mich zukommt.
Diese Tabletten sollen wohl anscheinend den Harndrang mindern damit ich auch mal wieder etwas zur Ruhe kommen kann.

Ich schlafe keine Nacht mehr durch. Teilweiße stündlich wach zur Toilette. Ich bin jemand der kaum Flüssigkeit zu sich nimmt und renne trotzdem dermaßen oft zur Toilette als würde ich mir alle 30 Minuten 1 Liter auf Ex reinschütten.

Die einfachsten Dinge wie einkaufen gehen, sind für mich mittlerweile eine Herausforderung pur. So etwas wie Ausflüge, Konzerte etc. nur noch der blanke Horror.

Beispielsweiße stand diesen Samstag ein Weihnachts-Flohmarkt an. Ich wusste dies bereits 2 Wochen. 2 Wochen lang nur der panische Gedanke "...was mache ich wenn ich gleich wieder zur Toilette muss ... gibt es überhaut eine ? Was wenn nicht ?..:"
Und wie war es ?
Zuhause vor Abfahrt auf Toilette (mache ich schon immer so!) .. keine 20 Minuten Fahrt sind wir schon angekommen. Ausgestiegen und es hieß direkt TOILETTE JETZT !.
Es ist nur noch peinlich für mich, mega anstrengend und sehr belastend.

Wem geht es auch so ?
Wer möchte darüber reden und erzählen um sich gegenseitig zu stützen.

Freue mich über Antworten.

Alles Liebe

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20 Nov 2023 17:32 #2 von MichaelDah
Hallo Angelina,

erstmal herzlich willkommen hier. Was du beschreibst kennen sicher viele und ich hab das auch erlebt. Bei mir hat sich die Situation inzwischen leider geändert aber ich kann berichten was mir anfangs etwas geholfen hat.

Zum einen ist es sehr wichtig das man genug trinkt. Das hört sich erstmal paradox an - ist aber einfach erklärt: Je konzentrierter (dunkler) der Urin ist, desto mehr reizt er die Blase und desto öfter muss man auf das Klo. Zuviel ist natürlich auch nicht gut. Die richtige Menge findet man normaler weise über die Farbe heraus..

Der zweite wichtige Punkt ist was man trinkt, wann man trinkt und was man isst. Am besten funktioniert Wasser. Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke, Fruchtsäfte und einige Tee‘s sind eher ungeeignet. Gleiches gilt für Chilis und scharfe Gewürze. Beim Trinken auch wichtig: Die Menge gleichmäßig über den Tag verteilen - anderenfalls kann der Körper die die Flüssigkeit nicht verarbeiten und scheidet sie gleich wieder aus. Auch noch wichtig: Nicht zu viel Salz essen. Salz bindet Wasser im Körper, das er irgendwann - Betonung liegt auf irgendwann - wieder loswerden will. Damit wird die Sache noch unberechenbarer…

Der dritte wichtige Punkt ist Training. Hier können die Medikamente helfen. Oft wird die Wirkung der Medikamente falsch verstanden und viele sind dann enttäuscht. Die M1-3 Antagonisten die häufig verschrieben werden (Tolterodin, Solifenazin, Mirabegon etc.) dämpfen nicht den Harndrang sondern den Blasenmuskel. In der Konsequenz ist der Drang zwar oft noch da, aber er lässt sich besser beherrschen weil der Blasenmuskel nicht mehr so viel Druck aufbauen kann.

Genau diesen Effekt kann man sich für das Blasentraining zunutze machen. Das ist eigentlich ganz einfach: Nicht dem ersten Drang nachgeben sonder 10 Minuten warten. Wenn das mit den 10 Minuten zuverlässig klappt, versucht man es das nächste mal mit 20 min. u.s.w. bis man zwischen den Toilettenintervallen 2-3 Stunden Zeit hat. Man kann das auch ohne die Medikamente versuchen - das funktioniert oft gut zusammen mit Beckenbodentraining. Am Ende ist es in diesem Fall relativ egal ob die Blase schwächer drückt oder man mehr Kraft im Schließmuskel aufwenden kann - dabei hilft das BB-Training. Am Ende funktioniert beides - nur das die Beckenboden Variante keine Nebenwirkungen hat.

Das einzig blöde an der Sache ist das es Zeit braucht und man wirklich täglich dran bleiben muss - sechs bis zwölf Monate kann das schon dauern und aus eigener Erfahrung kann ich sagen das man eine ziemlich hohe Frustrationstoleranz braucht. Immerhin verschwinden auf diese weise dann oft auch die Drang-Beschwerden weil die Blase wieder mehr Kapazität aufbaut und sich an die neuen „Regeln“ gewöhnt. Diese Variante ist die nachhaltigste - vorausgesetzt es werden nicht andere organische Ursachen für das Problem gefunden - die man dann (so möglich) natürlich zuerst behandeln sollte. Aber das ist bei dir ja wohl zum Glück nicht der Fall :-)

Wie auch immer - ich denke du kannst das bestimmt deutlich verbessern wenn du dich da rein hängst. Am Ende ist das oft auch eine Mentale Sache, denn je mehr man darüber nachdenkt um so schlimmer wird es. Wenn es dir gelingt, da mit Übung mehr Sicherheit zu bekommen bringt dich das sicher auch noch mal ein gutes Stück weiter. Am Ende ist das z.B. wie beim Klettern an der Wand oder am Berg. Wenn du da ständig dran denkst du könntest runterfallen dann kommst du nicht weiter oder fällst wirklich.

Vielleicht kanntest du das eine oder andere noch nicht und es hilft etwas. Ich drück dir jedenfalls die Daumen das du das erfolgreich angehen kannst.

viele Grüße
Michael

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20 Nov 2023 18:10 #3 von Angelina2703
Hallo Michael,

Erst einmal vielen herzlichen Dank für deine schnelle Rückmeldung. Das freut mich schon mal sehr.

Tatsächlich habe ich das mit dem vielen Trinken noch nicht gehört.
Hört sich auf jeden Fall interessant an
Tatsächlich habe ich letztes Jahr eine Kalorien Diät gestartet und da ich viel weniger gegessen habe, musste ich teilweise auch alle 15 Minuten auf Toilette. Ich hatte mich dann informiert und tatsächlich herausgefunden, dass man in einer Diät durch das weniger essen häufiger auf Toilette muss. also zu meinem sowieso schon gefühlten 30 Minuten Takt kam dann noch die Diät dazu und hat das Ganze auf 15 Minuten reduziert.
Wenn ich weiß, dass wir einen Ausflug machen, trinke ich schon einen Tag vorher kaum noch was.

Ich mache bereits seit einigen Wochen Beckenbodentraining mit einem speziellen Beckenbodengerät.
Als Tabletten wurde mir tatsächlich die Solifenancin verschrieben.
Sollten reichen für drei Monate ungefähr.
Die Urologin meinte man kann dies als Dauermedikation nehmen allerdings ich mit meinen 30 Jahren vielleicht noch etwas früh. Aber ich kann anscheinend ohne Probleme so eine Packung ruhig einmal nehmen, damit ich wie gesagt vielleicht mal etwas zur Ruhe komme beziehungsweise zusammen mit dem Beckenbodentraining die Tabletten vielleicht helfen, dass es sich bessert

Ich bin mittlerweile an dem Punkt, dass ich wahrscheinlich bald die Tablette nehmen werde
Ich bin nur noch verzweifelt

Es geht schon schon eine ganze Weile, so sicher zwei Jahre aber ich habe das Gefühl, es wird von Monat zu Monat schlimmer

Man muss das auch so sehen:
Leider habe ich auch einen Reizdarm. Was heißt, dass ich weder in Restaurants essen gehen kann noch auf Geburtstage Partys etc…. Reizdarm ist so unberechenbar. Es kann an schlechten Tagen schon eine trockene Scheibe Brot reichen, dass es zu viel ist.. ich habe schlimmes Bauchweh. Einen schlimmen BlähBauch, Durchfall etc.
Sowas möchte man, wenn man bei Freunden oder im Restaurant ist nicht haben also verzichte ich bereits auf so etwas.

Mir macht es das Leben natürlich nicht leichter, wenn ich jetzt noch diese Reizblase habe beziehungsweise ich habe diese ja schon immer aber mittlerweile ebenso stark.

Mit dem Essen einschränken und auf Partys verzichten, habe ich gar kein Problem
Ich kann auch an den Tisch sitzen, wenn andere essen und muss nicht unbedingt unbedingt mitessen. Das macht mir gar nichts

Aber die Reizblase ist so eine Sache.

Da ich diesen Samstag nun wieder so eine Situation hatte und mir dies auch seit Samstag nicht mehr aus dem Kopf geht (ich mache mir dann Tage später immer noch Gedanken. Was wäre gewesen, wenn es keine Toilette gegeben hätte wie hätte ich es schaffen sollen etc.) und von daher habe ich heute Morgen beschlossen, im Internet nach einer Selbsthilfegruppe zu suchen.

Einfach um mir auch mal den Frust Angst etc. von der Seele reden zu können
Und auch um sehr, sehr gerne vom anderen auch Geschichten zu hören.

Mein Freund ist sehr verständnisvoll. Leider verzichtet er aber auch auf vieles für mich.

So etwas wie in eine Theater Aufführung Konzert etc. absolute Horror für mich
Ich kann nicht in einer vollen Arena mit tausenden Leuten alle 20 Minuten, mich durch die Menschenmasse drücken, weil ich auf Toilette muss.
Ich kann da weder etwas genießen noch habe ich Ruhe und ich schäme mich bis ins letzte.

Kommenden Samstag steht Weihnachtsmarkt an… bin ich ebenfalls schon wieder eine Woche vorher im Kopf völlig durch.
Es ist weniger der Weihnachtsmarkt (Ich weiß, dass es dort Toiletten gibt) als eher der Gedanke, dass wir noch eine Bekannte abholen müssen, was ein kleiner Umweg werden wird, was für mich bedeutet, mindestens 30 Minuten Autofahrt … eigentlich Kindergarten 30 Minuten .. für mich allerdings schon die Welt.

Mein Freund weiß darüber Bescheid. Ich kann mit ihm offen reden, was mir auch sehr hilft.

Schlimmer wird es für mich dann nur immer, wenn wie gesagt, bekannte Freunde etc. dabei sind und ich immer versuche, es zu verheimlichen und mit mir selbst auszumachen.
Die meisten Leute verstehen es einfach nicht. Wie kannst du denn schon wieder aufs Klo müssen? Das kann doch nicht sein sein heißt es dann immer.

Ich kann es selbst nicht glauben.

Teilweise alle 20 Minuten auf die Toilette. Und wir sprechen hier dann wirklich von einer Menge, als wäre ich 4 - 5 Stunden nicht mehr auf der Toilette gewesen.
Nach weiteren 20 Minuten wieder so viel wieder so dringend.

Ich war zwar schon seit Kind immer so - also, ich kenne mich nicht anders. Ich war immer diejenige, die öfter auf Toilette musste … Aber wie gesagt, ich habe das Gefühl, je älter ich werde, und verschlimmert wird es.

Ich habe sicher schon zwei Jahre nicht mehr richtig geschlafen.
Wenn ich mal 2 Stunden am Stück schaffe, ist es schon viel.
Meistens bin ich jede Stunde maximal 1,5 Stunden wach… und lustigerweise am Wochenende wenn man ausschlafen möchte. Meistens so ab fünf oder 6:00 Uhr morgens muss ich dann wirklich im 20 Minuten Takt .. das heißt ausschlafen kann ich mir dann schenken.
Ich gehe auf Toilette, liege wieder ins Bett. Bis ich gerade am einnicken bin, muss ich schon wieder.

Ich bedanke mich auf jeden Fall für deine Antwort und hoffe, dir geht es den Umständen entsprechend soweit gut, bezugnehmend auf deinen ersten Absatz, dass deine Situation sich leider geändert hat.

Ich hoffe, es tauschen sich hier noch mehr Leute aus und erzählen.
Denn ich persönlich habe noch genug zu erzählen :)

Liebe Grüße

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20 Nov 2023 22:25 #4 von MichaelDah
Hallo Angelina,

ich denke da melden sich bestimmt noch mehr… Ich für meinen Teil versuch meine Rückenprobleme so gut wie möglich auszugleichen - da ist die Blase eher ein untergeordnetes Problem aber danke der Nachfrage - z.Z. geht es dem Rücken grad mal wieder relativ gut :-). Das mit dem ständigen Aufwachen aus dem Schlaf ist allerdings auch bei mir etwas das ich nach wie vor extrem nervig finde. Da kann ich auch nichts gegen machen aber wenigsten schlaf ich inzwischen relativ schnell wieder ein.

Zu den Medikamenten kann ich in soweit etwas sagen als ich Tolterodin & Solifenazin bereits probiert habe. Leider waren beide bei mir am Ende nicht besonders hilfreich. Sie haben zwar beide aus meiner Sicht ähnlich gut auf die Blase gewirkt und ich hatte durch die Medikamente tatsächlich etwas weniger Blasenproblme - nur hat das „Gesamtpacket“ hat nicht gestimmt. Leider habe ich von beiden Medikamenten Adaptionsstörungen bekommen. Das wahr zwar einerseits ganz interessant weil ich leicht kurzsichtig bin und auf einmal wieder richtig gut in die Ferne schauen konnte - nur für Bildschirmarbeit war das extrem ungeeignet weil das Nah-Fokussieren nicht mehr richtig geklappt hat…

Wie auch immer - für einen längeren Gebrauch sind all diese Medikamente nicht wirklich geeignet. Insbesondere weil außer Tolterodin so ziehmlich alle anderen die Blut-Hirn Schranke durchbrechen und auch im Gehirn an Rezeptoren andocken - weshalb sie im Verdacht stehen Alzheimer zu begünstigen. Um damit ein paar Monate ein Blasentraining zu unterstützen ist das sicher OK. Wenn es eine dauerhaftere Lösung sein soll und das mit den konservativen Methoden tatsächlich nicht klappt sind Botox Injektionen in die Blase die definitiv bessere Alternative.

Das mit der Ernährung ist auch so einen Sache. Ich hab da inzwischen auch schon viel rumprobiert. Fakt ist, das man gerade mit Bezug auf den Reizdarm einiges machen kann. Das Problem ist allerdings „Mehrdimensional“. Sowohl das essen als auch das Trinken wirken nicht nur auf die Blase sondern auch auf den Darm. Am Ende hängt das alles miteinander zusammen - insbesondere was den Flüssigkeitshaushalt angeht.
Wenn du zu wenig trinkst begünstigt das auch das Reizdarm Problem. Zunächst versucht der Darm seinem Inhalt Wasser zu entziehen. Wenn zu wenig Flüssigkeit da ist probiert er das um so heftiger. Im Ergebnis bildet sich sehr harter Stuhl. Der Körper bekommt das mit und versuch den wieder los zu werden in dem er mit dem verbliebenen Wasser jetzt jede Menge dünnen Stuhl produziert um Klumpen wieder raus zu bekommen. Im Ergebnis gibt das neben einem Dehydrationseffekt und ziemlichen Darmgrummeln meisten verbunden mit üblen Durchfall der es leider trotzdem oft nicht schafft den zuvor produzierten klumpen wieder raus zu spülen. Die Nieren haben in Ermanglung der Flüssigkeit nicht mehr genug zu tun und es wird zu wenig Harn produziert worauf sich dann wieder die Blase den bekannten Zeichen meldet. Irgendwann ist dann darüber hinaus die Darmschleimhaut dünn geworden und des gibt dazu noch Entzündungen.

Ich würde mir an deiner Stelle deinen Hausarzt nach einer Ernährungsberatung fragen. Hört sich vielleicht komisch an - denn man denkt man weiß doch alles. Wenigstens von mir kann ich sagen das ich vieles nicht wusste und dabei jede Menge erstaunlich Dinge gelernt habe. In meinem Fall ging es zwar zum einen um meine Diabetes und später auch mein Kontinenzproblem aber wenigstens was den Darm angeht war das nach dem ich das gelernte umgesetzt hatte bei mir erstaunlich effektiv.
Von dem was du schreibst vermute ich, dass bei dir vor allem deutlich mehr trinken und mehr Ballaststoffe essen helfen würde. Bei mir waren es am Ende zu viele Ballstoffe zur falschen Zeit (hätte vorher auch nicht gedacht das so etwas eine Rolle spielt…). Aber um das wirklich raus zu bekommen muss man sich das viel genau ansehen - genau das geht mit so einer Ernährungsberatung.

Am Ende ist meine Erfahrung allerdings, das man sich wirklich selber damit intensiv beschäftigen muss. Ich hab da auch eine weile für gebraucht bis ich das verstanden hatte - denn mit „Pille geschluckt - Problem verschwunden“ funktioniert das bei den Problemen leider nicht und die Ärzte sind insbesondere dann sehr hilfreich wenn man gut vorbereitet die richtigen Fragen stellen kann..

Für den „Alltagsfrust“ hilft das am Anfang wenig - aber meine Erfahrung ist das man sich wenigstens etwas besser fühlt wenn man ein paar Zusammenhänge verstanden hat und dann durch eine Veränderung vielleicht auch eine Verbesserung erreicht.

Aber schauen wir mal wer noch schreibt.

viele Grüße Michael

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20 Nov 2023 22:58 #5 von martinK
Hallo Angelina

Herzlich willkommen auch von meiner Seite! Michael hat eigentlich schon vieles gesagt, aber ich kann Dir vielleicht noch eine andere Perspektive aufzeigen.

Ich bin kenne Deine Situation, meine Blase ist ebenfalls überaktiv und dies seit vielen Jahren.... Als Kind hatte ich bis 12 Jahren unter tags Unfälle und nässte das Bett noch länger ein. Aber damit war es nicht getan. Auch als Erwachsener richtete ich mein Leben - nicht so extrem wie Du - nach der Toilette ein. Bevor ich das Haus am Morgen verliess, versuchte ich die Blase zu entleeren, und wenn das nicht klappte wurde ich nervös und eilte im Büro als erstes auf das Häuschen. In diesen Situation hatte ich oft den Eindruck, dass ich die Toilette gerade noch in der letzten Sekunde erreiche; kaum hatte ich die Hosen runter, lief der Harn....Bei Reisen verliess ich das Hotel erst, wenn ich Stuhl und Blase gut entleeren konnte, und bei langen Autofahrten musste die Route nach Toilettenstopps geplant werden. Vor ca 15 Jahren wurde es schlechter, und vor 8 Jahren war ich (wieder) so weit, dass ich die Blase nicht mehr unter Kontrolle hatte.

Seit dann trage ich Inkontinenzhilfsmittel, und obwohl die Inkontinenz zuweilen ein riesiges Frusterlebnis ist, ist mein Leben insofern entspannter, dass ich meine Tage nicht mehr nach der Blase plane. Vielleicht kannst Du Dir gezielt einige Tage oder Abende auch so einrichten, dass Du Dich prophylaktisch vor einem Unfall wappnest und Dir dafür ein Konzert, einen Konzertbesuch oder einen schönen Abend mit Freunden gönnst. Das heisst nicht, dass Du ins Hilfsmittel machen musst, es gibt z.B. saugfähige Pants, die wie Unterhosen getragen werden und einen normalen Toilettengang erlauben. Aber es würde Dir etwas Sicherheit und vielleicht auch Entspanntheit geben. Ebenfalls halten meine Inkontinenzhilfsmittel den Gestank bei Winden -die kann ich auch nicht halten - recht gut zurück.

Herzliche Grüsse
Martin

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21 Nov 2023 06:58 #6 von Angelina2703
Guten Morgen Michael,
Guten Morgen Martin,

es freut mich das nach und nach mehr dazu kommen.

Ich sehe schon, ich muss wohl das "mehr Trinken" probieren und aneignen. Ich trinke schon seit Kindheit sehr, sehr wenig. Habe eigentlich nie Durst und kaum verlangen danach. Wobei ich dann immer dachte ja das passt ja prima wenn ich sowieso immer so oft zur Toilette muss, dann muss ich nicht noch oben nachschütten :lol:

Ja ich habe tatsächlich schon einmal an Inkontinenzhilfsmittel gedacht, zumindest für so etwas wie Konzerte. Woher bekommt man dies am Besten ? Ich kann zwar mit meinem Freund über alles sprechen, aber hier würde ich mich glaube ich schämen. :dry:

Ja ich bin bzw. schränke mich völlig ein mittlerweile. Ich kann nicht nach dem Motto "Egal, wird schon irgendwie werden" drauf los und Ausflüge und Abende etc. starten.
Ich versuche es wirklich immer und immer wieder. Und wenn ich auch noch so positiv in beispielsweiße einen Ausflug starte und mir wirklich selbst sage, hey komm wird schon schief gehen, es geht immer irgendwie und es dann tatsächlich auch beiseite schiebe diese Gedanken:
Genau dann läuft es dermaßen schief und ich bekomme so einen Dämpfer das es mir tagelang wieder reicht.

Der letzte Samstag jetzt reicht mir schon wieder. Ganz positiv gestartet und am Ende war es wieder nichts. Ich gehe schon seit Kindheit immer bevor ich das Haus verlasse nochmal auf Toilette. So auch an diesem Abend. 20 Minuten Fahrt. Angekommen, ausgestiegen und schon sowas von dringend zur Toilette gemusst. Noch einige Meter zur Veranstaltung laufen müssen. Erste Blicke nur nach einer Toilette und Stoßgebete werden übersendet das es überhaupt eine gibt. Den Flohmarkt konnte ich null genießen, da ich nur damit beschäftigt war panische Atemübungen durchzuführen und die Beine zusammen zu kneifen. Denn ich wollte auch nicht als erstes rein und gleich zur Toilette. Denn dann hätte ich kurz vor Abfahrt wieder gehen müssen und wäre in kurzer Zeit schon wieder 2x gewesen und die Mitbesucher von uns hätten sich wieder gedacht, jawohl wie oft denn noch.
Ein Unfall ist mir "toi toi toi" noch nicht passiert - aber dieses Gefühl dringend, dringend auf Toilette zu müssen und die Angst dazu WO IST EINE TOILETTE ?! Macht mich dermaßen fertig, dass mir so etwas noch Tage später durch den Kopf geht und ich die nächste Zeit wieder bedient bin.
Denn es ist ja auch so:
Alle sagen zwar immer "mach dir doch kein Kopf, das wird schon. Wir bekommen das irgendwie hin. Irgendwie irgendwo gibt es immer eine Toilette bla bla bla".
Aber im Endeffekt stehe ICH dann im Supermarkt und kann nicht mehr, ICH sitze in einer riesen Halle zwischen tausenden Menschen, eingequetscht im letzten Platz und komme nicht raus ohne alle zu belästigen, ICH sitze im Auto und kann fast nicht mehr. Es bin immer ICH. Niemals die anderen die locker und flockig diesen Satz sagen. "wird schon." Am Ende muss ich mit mir innerlich und mit meinem Körper kämpfen und das ist das was leider nie richtig ankommt. Ich kann es noch so oft erklären, die meisten denken ich übertreibe und muss anstatt alle 5 Stunden mal alle 3 auf Toilette.
Selbst meine Mutter versteht den Ernst der Lage wirklich auch noch nicht. Ich merke dies daran wie auch am Samstag zum Beispiel. Sie war auch dabei. Beim Austeigen sagte ich noch jetzt muss ich schon wieder zur Toilette, ich kann nicht mehr, mich macht das fertig, keine 20 Minuten ohne. Sie ist verständnisvoll zwar aber als wir wieder im Auto waren auf dem Weg nach Hause war sie aber auch die erste die meinte "och wir könnten doch noch in den Baumarkt fahren bisschen bummeln" - ja herzlichen Dank auch - wie soll das gehen wenn ich in 20 Minuten schon wieder dringend muss und ich weiß das es dort definitiv keine Toilette gibt. Ich schaffe das nicht !! Ich würde die Heimfahrt nicht mehr schaffen.
Das zeigt mir dann immer: ja, so richtig verstanden hat man es nicht den Ernst der Lage. Weil man es selbst nicht kennt.

Ohje .. das gibt mir mit dem Tabletten schon wieder einen Dämpfer. Ich habe sowieso schon Angst sowas zu nehmen. Überhaupt starke Sachen. Ich nehme immer alles wenn möglich pflanzlich, egal ob bei Erkältung etc. denn ich bin jemand, ich habe von 10 Nebenwirkungen mit Sicherheit 5 :S
Daher bin ich immer sehr, sehr vorsichtig mit sowas. Ich habe die Tabletten bereits seit Juli und noch nicht angerührt. Komme immer wieder an die Frustationsgrenze wo ich denke, jawohl jetzt nehme ich sie und dann denke ich, ne warte noch. Ich habe es auch schon mit den pflanzlichen Tabletten versucht. Hatte glaube ich Anfangs gute Wirkung aber war schnell wieder weg und hat nichts gebracht. (Granufink Blase). Ich schlage immer gut auf pflanzliches an, aber hier ist die Baustelle einfach zu groß.

Ja es ist wirklich schlimm wie das beeinträchtigt.

Wie gesagt, ihr kennt das - Schlafen ist auch so ein Thema. Mal wieder richtig, richtig schön ausschlafen zum Energie tanken wäre herrlich. Oder nur mal 4-5 Stunden am Stück würde glaube ich schon helfen :sleep:

Wie geht es euch beiden grundsätzlich so mit der Blasensituation ? Seid oder Wart ihr beide auch schon so "übertrieben" an einem Tief wie ich und wenn ja wie habt ihr es einigermaßen geschafft ?
Momentan kann ich mir so viele schöne Gedanken machen wie ich möchte, es hilft noch nichts. Ich kann mir noch so versuchen einzureden "Das wird schon alles, mach dir doch mal mit deinem Freund einen schönen Abend wieder irgendwo" - Kaum ausgedacht kommt gleich wieder "nein, nein .. was ist wenn.."
Grauenhaft.

Momentan gibt es für mich nur Zuhause und meine Arbeit. Ich arbeite als Automobilkauffrau in einem netten, familiären Betrieb, welcher leider aus Altergründen vom Chef Anfang nächsten Jahres an eine neue Gruppe weiter gegeben wird. Belastet mir zusätzlich auch sehr, da ich meinen Chef sehr mochte und es hier immer ein angenehmes Klima war.
Dinge wie zu Schulungen weit weg fahren oder mal irgendwo ein Auto holen - NEIN ! Ich drücke mich jedes mal davor weil ich weiß ich würde die Fahrt nicht mal schaffen.

Wünsche euch einen schönen Tag und liebe Grüße :)

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21 Nov 2023 14:42 #7 von MichaelDah
Hallo Angelina,

ich fürchte, wenn jemand sagt „das wird schon“ sagt, hat er möglicher weise nur halb recht: Werden tut das nur wieder wenn du selber was dagegen unternimmst.

Viele Dinge kann der Körper selber wieder reparieren aber bei manchen braucht er definitiv Hilfe. Da das Problem bei dir schon lange besteht kannst du dich vermutlich darauf einstellen das es ein ziemlich langer und anstrengender Weg wird wenn du da etwas verbessern willst. Die gute Nachricht dabei ist, dass es bei dir mit hoher Wahrscheinlichkeit besser werden kann wenn du dran bleibst - es sein den man findet doch noch eine körperliche Ursache (außer einer vermutlich zu kleinen Blase). Die schlechte Nachricht ist, das du dich da irgendwie motivieren und trainieren musst. Mit dem Arztbesuch hast du ja schon einen guten Schritt gemacht und du hast dich hier angemeldet dich getraut hier zu schreiben!

Der Punkt ist halt, es wird nur besser wenn du selber etwas tust und z.B. mit einem Miktionstagebuch und mit dem Blasentraining anfängst. Ärzte, Physiotherapeuten, Freunde und auch dieses Forum können da helfen und unterstützen aber loslaufen musst du selbst - und du bist es ja auch schon.

Ich weiß nicht ob du schon mal ein Miktionstagebuch geschrieben hast. Gerade das Miktionstagebuch kann nicht nur für den Arzt sondern auch für dich selber interessante Einblicke geben. Besonders wenn du mit dem Blasentraining anfängst. Wenn du regelmäßig vielleicht ein oder zwei mal pro Monat über drei bis vier Tage aufschreibst wann du was trinkst, wann der Harndrang beginnt und wann du auf die Toilette gegangen bist und auch mal misst wieviel Harn da eigentlich kam, bekommst du einen ziemlich guten Einblick darüber wie deine Blase / Darm wann auf welche Trinkmengen oder welches Essen reagieren und vor allem siehst du ob du wirklich genug trinkst und ob sich das Blasenvolumen verbessert hat - denn das ist ja am Ende eines der Ziele. Was das Trinken angeht kann ich dir Apps wie z.B. „Waterminder“ empfehlen. Ich benutze auch die App weil ich oft das Problem habe nicht genug und regelmäßig zu trinken. Das Funktioniert recht gut.

Am Ende lernst du mit dem Tagebuch genauer einzuschätzen wie die Körper worauf reagiert und - noch wichtiger - du kannst Trainingserfolge sehen. Das ist wichtig - denn im Alltag kann man schnell die eigenen Erfolge vergessen oder unterschätzen und das demotiviert enorm. Es 10-Minuten länger ausgehalten zu haben ist für den Bummel über dem Weihnachtsmarkt für die eigene Wahrnehmung vielleicht erstmal nicht so relevant weil man da trotzdem zweimal oder drei mal zur Toilette gelaufen ist und Panik hatte. Tatsächlich ist das aber ein wichtiger Schritt - denn im nächsten Monat sind es vielleicht 20-Minuten die man länger aushält und dann es ist dann vielleicht ein Toilettengang weniger.

Ich persönlich tue mich schwer jemanden zu raten in so einem Fall Hilfsmittel zu benutzen. Natürlich ist das erstmal eine einfache Lösung wenn man all zu große Angst hat das es vielleicht doch mal in die Hose geht. Ich würde das allerdings - wenn überhaupt nur als Trainingshilfe verwenden denn das bringt dich so nicht weiter - eher im Gegenteil.

Sie es mal so - du hast das Glück das es bei dir noch keine „Unfälle“ gibt und das soll ja auch so bleiben. Das ist ein ziemlich gutes Zeichen, denn es bedeutet: Da geht noch richtig was. Der Versuch das Drang Problem mit Hilfsmitteln zu kompensieren währe da der Weg in die komplett verkehrte Richtung.

Für mich war es einer der deprimierendsten Momente überhaupt als irgendwann klar wurde das ich diese Hilfsmittel wohl so schnell nicht wieder los werde. Das hört sich für jemanden der sie nicht benutzen muss vielleicht banal an den „so schlimm ist das doch nicht…“ oder andere sagen vielleicht „ist doch prima - dann musst du nicht mehr laufend auf das Klo rennen“.

Der Punkt ist aber - das macht auch was mit einem selbst. Von der deprimierenden Tatsache mal abgesehen die permanent an der Psyche nagt weil so ein Kontinenzproblem aus der eigenen Wahrnehmung heraus erstmal oberpeinlich ist, kommen damit auch neue Probleme. Die fangen mit Logistik an gehen über unangenehme Situationen wie z.B. bei Taschenkontrollen, Übernachtungen bei Freuden und hören mit Hautproblemen, der Entsorgung und Kosten oder viel Schreiberei mit der Krankenkasse und dem Versorger auf.

Wenn es nicht mehr anders geht sind Hilfsmittel Krücken, die dafür sorgen das die Hose außen trocken bleibt und man noch zur Arbeiten gehen kann - aber sie sind eben Krücken. Ohne ist einfach besser.

Wenn ich diesen Mist selber mit Anstrengung wieder los werden könnte würde ich das sofort machen - egal ob das ein oder zwei Jahre dauert. In meinem Fall ist es leider nicht ganz so einfach weil die Ursache bei mir in mehreren Nervenkompressionen im Rückenmark liegt und keiner so genau sagen kann ob das mit einer OP wirklich besser wird und wo man am besten anfängt zu operieren… Das einzige was ich da z.Z. selber tuen kann ist regelmäßiges funktionelles Training um die Bauch und Rückenmuskulatur zu verbessern b.z.w. dafür zu sorgen das sie sich nicht wieder abbaut und zu hoffen das es nicht schlechter wird.

In dem Zusammenhang zum Thema neue Probleme…: Ich habe eine ganze weil für gebraucht bis ich mich wieder in das Fitnessstudio getraut habe…

Wie auch immer - ich will hier jetzt nicht rum jammern - es gibt Leute die da noch deutlich schlechter dran sind. Aber eine Sache ist glaube ich wirklich wichtig: Wenn du was ändern kannst dann tue es jetzt. Das klappt nur wenn du selber aktiv wirst und trainierst. Alles andere - egal ob Pillen, Botox oder Hilfsmittel sind Krücken die du nicht haben willst - vor allem nicht mit 30…

Liebe Grüße
Michael

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21 Nov 2023 23:08 - 21 Nov 2023 23:09 #8 von martinK
Hallo Angelina

Dein Leben wird ja völlig von Deiner Blase bestimmt, das tut mir sehr sehr leid, und ich kann Deine Qualen gut nachvollziehen. Bei mir war es nie so schlimm wie bei Dir, was die Reizblase angeht; allerdings bin ich im Gegensatz zu Dir heute inkontinent, und dies mehr oder weniger vollständig. Meine Blasensituation ist die, dass sich die Blase sich meist kurz meldet und dann auch gleich entleert; dies 10-20 Mal tagsüber und auch einige Mal in der Nacht. Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, aber natürlich habe ich auch meine traurigen und frustrierten Momente. Allerdings habe ich mich so eingerichtet, dass die Inkontinenz mich nicht einschränkt.

- Versuch es doch mal mit den Medikamenten, das Gute daran ist, dass die Nebenwirkungen schnell nachlassen, falls Du damit nicht klarkommen solltest und die Medikamente wieder absetzst. Wie Michael geschrieben hat, braucht es aber etwas Geduld, bis Du eine Wirkung spürst…

- Hast Du mit Deiner Urologin schon über eine Beruhigung der Blase mit Botox gesprochen? Da ist mehr „Risiko“ drin, weil die Botoxinjektion zu Harnverhalt führen kann und die Wirkung mehrere Monate anhält. Aber diese Behandlung ist heute weit verbreitet und die Erfolgsquote ist hoch.

- Einige Forummitglieder mit Reizblase haben gute Erfahrungen mit sakraler Nervenstimulation gemacht. Dafür muss zwar ein kleines Gerät implantiert werden, aber wenn Du damit nicht klar kommst, ist es schnell wieder entfernt; der Eingriff ist unproblematisch.

- Stress ist erwiesenermassen ein „Harntreiber“. Je mehr Du Dich von Deiner Blase stressen lässt, um so mehr wird sie Dich quälen. Ich behaupte, dass Ablenkung und ein entspanntere Umgang mit der Situation Dir sehr helfen könnte…

Betreffend der Hilfsmittel habe ich wohl einen pragmatischeren Approach als Michael. Natürlich ist das Tragen dieser Hilfsmittel ein Eingeständnis, dass die Blasenkontrolle nicht mehr klappt. Aber Du scheinst in einer Situation zu sein, in welcher Deine mit viel Aufwand sicher gestellte Blasenkontrolle sehr auf Kosten Deiner Lebensqualität erfolgt. Es fragt sich deshalb, ob es Dir nicht besser gehen würde, wenn Du zwischendurch mal eine unkontrollierte Entleerung in Kauf nehmen würdest. Wie ich geschrieben habe, musst Du die Hilfsmittel ja nicht die ganze Zeit verwenden, und wenn Du welche trägst, kannst Du dennoch die Toilette benutzen, das schliesst sich ja nicht aus. Ob Du Dich mit Hilfsmitteln entspannter fühlen würdest, musst Du selber entscheiden…

Es gibt einen ganzen Dschungel an Inkontinenzhilfsmitteln; falls Du Dich auf dieses Experiment einlassen möchtest, würde ich verschiedene Typen und Produkte testen. An Deiner Stelle würde ich es mit Pants versuchen. Es gibt verschiedene Anbieter (Tena, Attends, Abena, Seni, Hartmann,…), ich rate Dir, Dich über die Homepage beraten zu lassen und Muster zu bestellen. Es braucht etwas Zeit und Geduld, um das beste Produkt zu finden.

Betreffend Scham vor dem Partner brauchst Du Dir keine Sorgen machen. Ich trage über dem Hilfsmittel immer eine Unterhose und vermeide es, die Hilfsmittel zum Erotikkiller zu machen; meine Gattin muss mich nicht darin herumlaufen sehen. Ansonsten bin ich sicher, dass Dein Freund unterstützend sein wird, wenn er sieht, dass Dir die Hilfsmittel Lebensqualität vermitteln.

Ich wünsche Dir von ganzen Herzen alles Gute und viel Erfolg, dass Du aus diesem Teufelskreis herausfindest. Kopf hoch!

Liebe Grüsse
Martin

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22 Nov 2023 07:48 #9 von Angelina2703
Guten Morgen Michael,
Guten Morgen Martin,

wieder einen großen Dank für eure fleißigen Rückmeldungen.

Hier seit einigen Tagen ein wenig sich alles von der Seele zu schreiben tut und tat glaube ich schon ganz gut. Das ich hier angemeldet bin habe und werde ich noch erst einmal für mich behalten - das gibt mir momentan ein gutes Gefühl, dass ich diesen Schritt für mich gemacht habe und immer weiß, hey ich habe im Hintergrund genügend Gleichgesinnte wo ich mich hinwenden kann und mal auf gut deutsch so richtig "auskotzen" kann und auf Verständnis stoße.

Wenn ich mich so durch die Foren lese, ist für mich natürlich sofort klar: Ich sollte zufriedener sein, denn wie ihr bereits sagtet: Es geht immer schlimmer und es gibt genügend andere die wesentlich mehr vom Schicksal gebeutelt sind.

Grundsätzlich wenn ich alles so überdenke ist es bei mir so:
Ich schäme mich in Anführungszeichen "nur" dafür, wenn man mit anderen unterwegs ist, sei es Familie oder Bekannte etc. dass ich immer diejenige sein muss die ständig wegrennt und auf der Suche nach der Toilette ist. Dies wäre grundsätzlich glaube ich auch nicht mein größtes Problem, dann suche ich halt, dann gehe ich halt, ist halt so, ABER: mich macht es extrem traurig und betroffen wenn ich mir dann egal von wem was blödes anhören muss wie "schon wieder" ... " gibt es ja nicht" ... "kann doch nicht sein"...."du übertreibst doch".
Man sollte meinen Leute verstehen es wenn man es ausführlich erklärt....ja das hält dann einen Abend lang und beim nächsten Treffen sind wieder alle aus dem Häußchen wie oft man auf Toilette gehen kann.

Die Familie meines Freundes versteht seit geschlagenen 7 Jahren nicht was es heißt einen Reizdarm zu haben + Laktoseintolerant bin ich auch noch (ich nehme alles mit was geht im Leben :cheer: :cheer: ). Früher habe ich das auch für mich behalten. Irgendwann habe ich dann beschlossen und gesagt NEIN ! Ich rede offen darüber und erkläre es jedem und wegen mir bis ins kleinste, schmutzigste Detail bis es die Leute verstehen denn ich sehe es nicht mehr ein an Geburtstagen mir Torten und Essen reindrücken zu müssen damit die Köchin / Bäckerin zufrieden ist und ich nachher "heimlich" mit Durchfall renne, Bauchschmerzen habe, Blähbauch, Magenschmerzen etc.
Irgendwann habe ich auf den Tisch gehauen und gesagt so Leute hört zu so und so ist es und wenn ich hier sitze und möchte nichts essen dann möchte ich nicht. Ihr könnt essen bis ihr umfallt ! :lol:

Hat gut getan ! Zumindest im ersten Moment, denn wie gesagt leider verstehen sie es alle noch immer nicht. Jeden Geburtstag, jede Feier ja Angelina hier schau Sahnetorte, Angelina hier schön Rouladen (ich vertrage bspl. überhaupt kein deutsches Essen wie Braten, Rouladen etc.) ... lassen mir alle miteinander keine Ruhe solange bis ich ein schlechtes Gewissen habe oder meine Leier von vorne runterlabern muss und mir selbst schon vorkomme wie ein nerviges Etwas.

Daher habe ich natürlich bis dato auch noch nie etwas in Richtung Reizblase auch noch erwähnt. Ich hatte "Glück" bis jetzt das wir nie großartig zusammen Ausflüge gemacht haben etc. das es auffällig gewesen wäre.
Komme ich nun zu meinem Reizdarm mit Unverträglichkeiten noch mit Reizblase an denken dann alle über meinem Freund: Oh Kerle was hast du denn da für eine geangelt, wie viel und was kann ein Mensch eigentlich alles haben :blink: :)

Und genau das ist glaube ich auch eines meiner größten Blockaden wenn ich mir selbst so zuhöre: WAS KÖNNTEN ANDERE DENKEN ?!
Sollte mir eigentlich egal sein.
Leider habe ich diesem Punkt noch nicht.

Vom körperlichen Aspekt mal abgesehen - liegt tatsächlich glaube ich bei mir viel in der Phsyche.

Mir würde es einfach helfen wenn von den ganzen Leuten denen ich es erzähle halt auch mal Verständnis zurück kommen würde mit kleinen Gesten wie das man mich in Ruhe lässt, kein Kommentar abgibt etc. - das ich merke: Hey ! Es ist denen (entschuldigt die Wortwahl) aber auf gut deutsch "scheiß egal" wie oft ich auf Toilette muss und jetzt haben wir Spaß und los.

Diesen Schritt oder Stupser bräuchte ich.
Ich glaube dann hätte ich teilweiße schon mehr Motivation für etwas.

Gestern Nachmittag wieder Rekord gebrochen: Innerhalb 45 Minuten 4x geschlagene Male auf Toilette gewesen und ich weiß gar nicht warum und in so kurzen Abständen so viel an Menge, wahnsinn. Für mich unbegreiflich wie schnell so etwas gehen kann. Ich musste aber tatsächlich schmunzeln. Eine Mischung aus Frust, Verzweiflung und Schmunzeln.

Für euch beide wünsche ich auch, dass es, wenn auch kein bergauf, zumindest in eine gute, gerade und angehnehme Richtung mit allem geht.

Wie lange seit ihr hier schon dabei im Forum ?
Wie ist es überhaupt: Kann dieses Forum hier offen bleiben ? Lässt man, auch wenn es vielleicht eine Zeit lang ruhiger hier werden würde, wieder mit einem neuen Beitrag alles aufleben? Geht das ?
Zum Beispiel es wäre jetzt hier dann 1-2 Wochen ruhig, nichts neues im Leben passiert was es zu berichten gibt. In 1 - 2 Wochen steht vielleicht irgendwas an wie eine lange Fahrt etc. und ich melde mich wieder und erzähle was ansteht, was die Ängste sind und rufe somit hier wieder alles ins Leben. Geht das ?
Somit immer zu wissen man hat im Hintergrund immer offene Ohren ?!

Wünsche euch einen schönen Tag !

Liebe Grüße an Alle

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22 Nov 2023 08:33 #10 von martinK
Hallo Angelina

Aus Deinem Beitrag spüre ich sehr, wie wichtig es für Dich ist, Dir den Frust vom Leib zu schreiben….

Verdauungs- und Entleerungsprobleme sind in unserer Gesellschaft leider nichts, was ein junger Mensch haben kann, deshalb haben Leute in Deinem Umfeld wohl Mühe damit. Und das mit dem Essen bei anderen Leuten….die Köchinnen/Köche sind stolz auf ihr Werk und natürlich enttäuscht, wenn nicht aufgegessen wird. Persönlich mag ich es überhaupt nicht, wenn ich dazu gedrängt werde, zu essen, wenn ich satt bin oder Probleme mit der Speise habe. Meine Liebste hat ebenfalls eine Laktoseintoleranz und zudem eine Nussallergie. Unsere Freunde und Verwandte wissen und respektieren das und achten darauf, so zu kochen oder zu backen, dass sie mitessen kann.

Ja, das aus dem Rahmen fallen mit den Toilettengängen bei gemeinsamen Ausflügen kenne ich von früher nur zu gut. Wenn ich mit Freunden reiste, war ich am Morgen absichtlich langsam um sicher zu stellen, dass Darm und Blase leer sind, bevor wir das Hotel verliessen. Da gab es schon mal den einen oder anderen faulen Spruch, und ich fand das auch nicht lustig. Heute gehe ich mit der Inkontinenz diskret um. Mein engstes Umfeld und einige Freunde wissen Bescheid, that‘s it. Ich kann mich aber auch so einrichten, dass das Problem nicht auffällt.

3x in 45 Minuten signifikante Blasenentleerung ist schon ungewöhnlich viel. Mir kann es zwar auch geschehen, dass ich im einer Stunde mehrmals entleere, dann sind es aber kleinere Mengen (ca 10 s oder weniger Entleerungszeit). Hast Du schon mal ein Blasetagebuch geführt und die Trink- und Miktionsmengen gemessen?

Herzliche Grüsse
Martin
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