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Mittlere Stuhlinkontinenz / Entlastung durch Analtampons?

05 Mai 2021 16:00 #1 von Sunnie
Hallo zusammen,
ich habe bereits einige Beiträge von Euch gelesen, habe aber doch noch eine Frage weshalb ich mich jetzt angemeldet habe. Ich, Mitte 50, hatte nach der Entbindung vor 20 Jahren ständig Pilzinfektionen. Damals wusste niemand was der Auslöser dafür war. Heute weiß ich, dass das der Beginn der Stuhlinkontinenz war. Nach einem knappen Jahr ging es wieder besser bis es dann mit Beginn der Wechseljahre wieder schlimmer wurde. Heute, 8 Jahre später, behelfe ich mich täglich mit kleinen Kompressen und einer Creme für den Intimbereich. Seitdem habe ich keine Infektionen mehr. Das Problem ist nur, dass ich diese nach dem eigentlichen Stuhlgang am Morgen alle 15-30 Minuten wechseln muss. Nach 2-3 Stunden hat sich das ganze dann meist beruhigt und ich muss nur noch alle 2-4 Stunden wechseln und ich kann das Haus verlassen. Jetzt habe ich von den Analtampons gelesen. Halten diese auch den flüssigen Stuhl/Sekret sowie weiche Stuhlgangsreste zuverlässig zurück? Dann könnte ich nämlich schon früher aus dem Haus gehen und müsste nicht gleich wieder auf die nächste Toilette rennen. Aus diesem Grund bin ich auch nicht mehr berufstätig. Das war jeden Morgen ein ständiges Spießrutenlaufen und nach ein paar Jahren war ich fix und fertig. Ich habe nichts mehr gegessen und getrunken, damit nicht mehr viel kam. Ich würde ganz gerne wenigstens ein Ehrenamt übernehmen aber mit den vielen Toilettengängen traue ich mich das nicht. Könnt Ihr mir Eure Erfahrungen mit den Tampons schildern und wer berät einen zu diesen Hilfsmitteln? Der Arzt oder die Apotheke oder??
Viele Grüße
Sunnie

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05 Mai 2021 17:50 - 05 Mai 2021 17:51 #2 von Blinki
Hallo Sunnie

Erst einmal möchte ich dich virtuell drücken. Ich kann dich sehr gut verstehen.
Zu deinen Fragen :

Ja, dafür sind Analtampons da. Diese sollten aber die richtige Größe haben. Dieses sollte du über einen Arzt machen lassen.
Wenn du schon beim Arzt bist, frage in nach Einläufen und Irrigation. Ich denke das könnte dir echt helfen.
Bei richtiger Anwendung kann Mann und Frau eine 24 stündige Kontinenz erreichen. Dazu dann evtl. Die Tampons oder Vorlage und dein Ehrenamt steht nichts mehr im Wege.
Auch kann dieser sämtliche Tampons,Vorlagen und Gerätschaften für die Irrigation verschreiben.
Natürlich gibt es auch Kontraindikationen, die ich nicht alle aufzählen kann, da ich kein Arzt bin. Aber wie schon geschrieben ist ein Besuch beim Arzt/Ärztin unabdingbar.

Einen lieben Gruß aus Bremen
Marco

2 Dinge bedenke :
Woher
Wohin
Dann hat dein Leben den rechten Sinn

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06 Mai 2021 11:09 #3 von matti
Hallo Sunnie,

ich würde deine Frage gerne aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und beantworten. Ich denke es ist sinnvoll, unterschiedliche Aspekte zu betrachten.

Neben der Versorgung mit Hilfsmittel, steht natürlich auch immer die Ursachenforschung bzw. stehen die Gründe und auslösende Situation im Blickwinkel.

Du schreibst, dass du direkt nach einer Geburt die ersten Probleme hattest, sich diese über Jahre verbesserten und mit Einsetzen der Wechseljahre es zu einer Verschlechterung der Kontinenz kam.
Es ist nicht selten – und dies betrifft sowohl Blase als auch Darm – dass hormonelle Veränderungen in der Menopause sich negativ auf den Beckenboden und das Gewebe auswirken. Ursächlich sind die Hormone Östrogen und Gestagen.

Deshalb vorab: Hast du deinen hormonellen Status einmal prüfen lassen?

Es gibt in diesem Fall eine ganze Reihe von konservativen Optionen. Neben der Stärkung des Beckenbodens, können Hormonpräparate oftmals eine deutliche Verbesserung herbeiführen. Biofeedback, Elektrostimulation, Ernährungsanpassung und Umstellung, geregelte Darmentleerung, vermeiden von Obstipation (Verstopfung) wären dabei Ansatzpunkte.

Ebenso sollte ausgeschlossen werden, dass es zu einer Senkung und Lageveränderung der inneren Organe gekommen ist. Hier wäre eines der Stichwörter: Rektozele.

Nun, natürlich möchte ich auch gerne auf deine direkte Frage eingehen, obwohl der aufgeführte Aspekt damit unmittelbar zusammenhängt.
So fragst du beispielsweise, ob ein Analtampon auch flüssigen Stuhl zurückhält. Mir stellt sich direkt die Gegenfrage: Warum kommt es zu flüssigen Stuhl. Ich will damit sagen, dass die Priorität nicht immer auf dem Ausgleich und die Versorgung gelegt werden sollte, sondern auf die Erforschung und das Abstellen der Ursache.
So paradox es klingt, aber flüssiger Stuhl hat sehr häufig etwas mit Verstopfung zu tun. Sammelt sich fester Stuhl im Darm, drückt sich der dahinterliegende flüssige Stuhl daran vorbei. Dadurch haben viele Menschen mitunter enorme Verstopfungen und gleichzeitig Durchfall.

Kann ein Analtampon flüssigen Stuhl zurückhalten? Jein! Bis zu einem gewissen Grad der Konsistenz schaffen Analtampons eine zuverlässige Abdichtung. Flüssiger oder gar wässriger Stuhl setzt ein natürliches Limit. Ebenso sind Druckverhältnisse ausschlaggebend. „Quetscht“ sich flüssiger Stuhl an der durch die Verstopfung bedingten Engstelle vorbei, kann dies die Abdichtung mittels Analtampon überfordern.

Stuhlregulierung und bessere Konsistenz als Ziel.
Das Thema (transanale) Irrigation wurde bereits angesprochen. Kennst du bereits diese Möglichkeit der regelmäßigen Stuhlentleerung? Damit könnten bereits viele Probleme in der Ursache und im Ansatz lösen. Die Situation sehr deutlich verbessern.

Ich bin ein großer Befürworter des Homecare. Unter Homecare versteht man die individuelle Beratung, Betreuung und Versorgung von Patienten mit medizinischen Hilfsmitteln.
Oftmals bieten regionale Sanitätshäuser einen solchen Service. Vielfach sind Homecare Leistungen aber auch direkt bei den Herstellern der Produkte angesiedelt.
Sowohl die Firma Coloplast als auch die Firma Wellspect bietet eigenen Homecare zu den Bereichen Irrigation und Analtampon an.

Kontakt
Coloplast: Gebührenfreies Service Telefon: 0800 468 62 00 - Montag bis Freitag: 08:00 - 17:00 Uhr
Wellspect: Service-Hotline 0800 272787

Zum Schluss möchte ich dich noch auf ein System aufmerksam machen, welches bei der Säuberung des Analausgangs Vorteile bringen könnte. Es gibt ein neues Hilfsmittel am Markt, welches die Analreinigung erleichtert. Mehr Infos darüber erhältst du auf: www.proctyclean.net/de-de

Gruß
Matti

Veranstaltungshinweis:

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06 Mai 2021 17:38 #4 von Sunnie
Wow, jetzt bin ich echt überwältigt von Euren ausführlichen Antworten, vielen Dank!
Ich habe diesen Monat wieder einen Termin beim Proktologen. Mal sehen, was er sagt (Rektozele?). Bei der ersten Untersuchung hat er seinerzeit festgestellt, dass meine Probleme wohl durch einen zu tiefen Dammschnitt bei der Entbindung kommen. Dadurch wurden Nerven geschädigt. Die Muskeln im Darm sind wohl noch da, werden aber nicht mehr vollständig angesteuert.
Verstopfung schließe ich bei mir aus, da ich einen Reizdarm „Typ Durchfall“ habe. Es ist bei mir so, dass der Darm dauernd sehr stark in Bewegung ist und so ungefähr nach 30-60 Minuten nach dem Toilettengang weiteren Inhalt nach unten schiebt (unter Bauchschmerzen, bin da leider sehr sensibel). Das Sekret und der kleine Rest geht dann im Lauf der nächsten Sunden langsam ab. Ich war auch schon bei der Ernährungsberatung und habe vieles abgeklärt. Habe leichte Kreuzallergien, Fructose- und Histamin-Intoleranz. Kann aber zwischenzeitlich gut damit umgehen. Flohsamenschalen helfen mir dabei auch (es bleibt dann alles besser zusammen). Merkwürdigerweise habe ich fast keine Probleme wenn ich es schaffe, morgens zu verhalten und erst nachmittags auf die Toilette zu gehen. Da ist mein Darm dann träger. Loperamid möchte ich aber nur in Ausnahmefällen nehmen.
Elektrostimulation habe ich nicht vertragen (zu starke Reizung). Selbst BB-Gymnastik ist an manchen Tagen zu viel (bei der Physiotherapie gelernt). Mein Bauchhirn ist definitiv überaktiv! Wenn ich das wieder ruhiger bekommen würde, wäre mir auch schon viel geholfen (Yoga und Entspannungsübungen sind nicht so mein Ding, bin eher der aktive Typ). Aber wenn wieder möglich, möchte ich wieder ins Fitnessstudio gehen (nur entsprechende Übungen) das hat auch immer sehr gut getan. Toiletten sind ja da. :-)
Das Homecare und das neue System zur Säuberung hören sich sehr vielversprechend an. Danke!!

Viele Grüße
Sunnie

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09 Mai 2021 13:53 #5 von Greta
Hallo Sunnie,

Ich benutze das Coloplast Peristeen Irrigationssystem seit zwei Jahren und kann es sehr empfehlen. Man braucht allerdings u.U. mehrere Monate bis es rund läuft. Soviel Geduld sollte man aufbringen, aber es lohnt sich. Ich bin mittlerweile zu 99 % „unfallsicher“.

Ich hatte auch das Problem das ich weichen Stuhl habe und mein Darm sich nicht in einer Sitzung entleert. So bin ich dann auch jeden Vormittag bis zu 5 mal auf das WC gerannt.

Dadurch das mein Dickdarm nun durch die Spülung gründlich entleert wird, habe ich meistens 24 h Ruhe.

Leider schlagen die Ärzte diese Lösung von sich aus selten vor. Frage deinen Proktologen, ob bei dir die Nutzung des Systems möglich ist, er wird dir dann ein Rezept ausstellen. Der Hersteller hat einen Außendienst, der dir das System und die Anwendung dann erklärt.

Alles gute für dich

Alles Gute!
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