Die Inkontinenz Selbsthilfe e.V. stellt ihr Angebot vor

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Sex auf Krankenschein

09 Jan 2017 09:51 #1 von tomdr85
Hallo

Ich möchte einmal folgendes in die Runde werfen:

Heute morgen hörte ich in den Nachrichten dass Fr. Elisabeth Scharfenberg von den Grünen einen Vorschlag in die Richtung gemacht hat


Pflegebedürftige und Schwerkranke sollen Sex mit Prostituierten künftig bezahlt bekommen. Das fordert die pflegepolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Elisabeth Scharfenberg. Experten reagierten unterschiedlich: Für die einen wäre dies menschenverachtend, für die anderen ein Segen.

Nachzulesen: hier

Wie ist eure Meinung dazu?

Meine Meinung ist klar: Sex ist ein Menschenrecht!

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09 Jan 2017 12:11 - 09 Jan 2017 14:51 #2 von matti
Hallo Tom,

ich finde es gut, diese Thematik zu diskutieren, bedaure aber, dass du einen solch plakativen Titel für diesen Thread gewählt hast.

Letztlich wird genau SO von selbst ernannten Experten, Moralaposteln und sich mit der eigentlichen Thematik in keinster Weise beschäftigenden Menschen gegenargumentiert.
Der Titel ist also „Käse“, dass Thema hingegen mehr als diskussionswürdig. Deine Meinung dazu teile ich allerdings sehr! Intimität ist ein Menschenrecht!

Es geht bei diesem Thema um etwas ganz Anderes. Es geht um Selbstbestimmung bzw. der Absprache eben dieser.

Bereits 1994 verabschiedete die Lebenshilfe die Duisburger Erklärung.

Darin heißt es (Auszug):

Alle haben das Recht, am Leben der Gemeinschaft teilzunehmen.
Wir möchten die Wahl haben, wo und wie wir wohnen.
Wir möchten so viel Geld verdienen, wie man zum Leben braucht.
Wir wollen überall dabei sein! Im Sport, in Kneipen, im Urlaub.
Wir möchten über Freundschaft und Partnerschaft selbst entscheiden“.


Alte, pflegebedürftige und behinderte Menschen können viele Bedürfnisse nur mit Beteiligung und Unterstützung anderer Menschen verwirklichen. Je schwerer die Behinderung, desto größer ist der Bedarf an Assistenz.
Deshalb wäre eine Diskussion um die Assistenz für Menschen, welche ihre Grundbedürfnisse nicht selbst befriedigen können sinnvoll. Stattdessen reduziert man dies auf eine Diskussion um „Sex auf Krankenschein“.

Es geht dabei gar nicht ausschließlich um Prostitution (also um sexuelle Leistungen gegen Geld), den dies wäre nur ein Teil der Gesamtthematik.

Ich kenne dies aufgrund meiner Behinderung aus persönlicher Erfahrung und zudem aus der Praxis einer Pflegeeinrichtung in der ich geschäftsführend tätig bin. Natürlich verlieben sich auch dort Menschen! (dies bedarf leider noch einmal einer gesonderten Betonung), haben sexuelle Bedürfnisse. In unserer Einrichtung haben Bewohner sogar geheiratet (getrennt lebend in zwei Pflegezimmern).

Die meisten dort in der Pflegeeinrichtung lebenden Menschen werden mit einem Bettlifter ins Bett gehoben, oder zumindest der Transfer vom Rollstuhl ins Bett assistiert bzw. übernommen. Die Menschen bedürfen Hilfe beim Entkleiden, werden in der Nacht teilweise mehrfach gelagert (umgedreht) und häufig mit Inkontinenzmaterialien versorgt.

Was machen wir jetzt mit den zwei Verliebten Bewohnern oder mit dem Bewohner der sich selbst befriedigen möchte, dies aber aufgrund seiner körperlichen und/ oder geistigen Einschränkungen nur mit Assistenz bewältigen kann?
Dies ist wohl kaum Aufgabe der Pflegekräfte. Auch der therapeutische Bereich scheidet aus. Einen Kostenträger für diese Assistenz gibt es auch nicht. Wer sollte das Schäferstündchen den bitte finanzieren. In Folge findet Sexualität schlichtweg meist erst gar nicht statt. Menschen werden zu A-Sexuellen Wesen degradiert. Keine Zeit, kein Aufgabengebiet des Personals, kein Kostenträger!

Ein Dilemma, oder?

„Sex auf Krankenschein“. Was für eine Reduktion des Themas. Wenn überhaupt würden wir über finanzielle Nachteilsausgleiche sprechen. Diese sind für alte, pflegebedürftige und/ oder behinderte Menschen von besonderer Bedeutung, weil sie in starkem Maße auf spezielle Hilfen angewiesen sind, um möglichst selbstbestimmt im Alltag zu sein und am Leben der Gesellschaft uneingeschränkt teilnehmen zu können.

Es haben sich die Wenigsten darüber moniert, dass Menschen mit Assistenzbedarf bis zum vergangenen Jahr nur 2600 Euro Vermögen ansparen dürften. Das Gleiche galt für den Ehepartner (unabhängig einer eigenen Behinderung). Das Menschen gerade im Alter und nach nicht selten anzutreffender 40-jähriger beruflicher Tätigkeit ihr gesamten Vermögen erst einmal selbst aufbringen müssen um einen Pflegeplatz von 6000 Euro und mehr monatlich zu finanzieren. Da ist das mühsam über Jahrzehnte abgetragene Häuschen schnell weg.

Diese Menschen degradiert man nun in den vielerorts zu lesenden Kommentaren einen schmarotzenden Almosenanspruch, den die Solidargemeinschaft finanzieren soll?
Bewohner von Pflegeheimen oder Einrichtungen der Eingliederungshilfe (was ein Wortspiel) erhalten ein Taschengeld von etwas über 100 Euro im Monat vom Kostenträger. Unter unseren Bewohnern sind Doktoren, ehemalige Chefärzte, zahlreich Akademiker, Unternehmer, Selbstständige, Facharbeiter u.a.
Trotz dieser ehemals gut bezahlten Berufe ist kein Bewohner in der Lage seinen Pflegeplatz aus eigener Tasche und/ oder aus eigenem Vermögen zu finanzieren. Selbst wer dies kann, wird nach Monaten oder Jahren sein Vermögen aufgebraucht haben.

Ich rege mich deshalb auch über den Titel auf (mir ist schon klar, dass der Titel hier auf die auslösende Diskussion gewählt wurde), weil man damit diese Menschen zu Almosenempfänger und Sozialschmarotzer degradiert.
Diese Menschen hatten in ihrem Leben ein Ereignis, welches ihr vorheriges völlig verändert hat. Sie sind weit weg von Almosenempfängern auf Basis eines Krankenscheins.

Und selbst wenn ein junger Mensch, der mit schwerer Behinderung bereits geboren wurde oder diese in jungen Jahren erworben hat, noch nie einen Cent in Sozialsysteme eingezahlt hat, ist eine finanzielle Unterstützung zur Assistenz der Befriedigung seiner Grundbedürfnisse als Mensch angemessen um Mensch sein zu können. Alles andere ist unmenschlich.

Meine Meinung!

Matti

Edit:
Ich habe Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer einmal persönlich angeschrieben. Er fasselte gleich als Erstes (obwohl der gleichen Partei angehörend) auf Facebook etwas davon, dass dieses Thema schädlich für die Grünen im Wahljahr wäre: "Kann man denn als Bundestagsabgeordnete gut gemeinte Ideen nicht einfach mal im Koffer lassen, wenn sie so offensichtlich dazu dienen können, uns als weltfremde Spinner abzustempeln"?, so Palmer.

Sollte ich eine Antwort erhalten, veröffentliche ich sie hier.


Ergänzung:

Maria Klein-Schmeink (MdB - Die Grünen) schreibt dazu (und sie hat so etwas von recht!):

"Hoch verärgert. Jahrelang arbeitet meine Kollegin Elisabeth Scharfenberg mit großem Engagement für die Verbesserung der Situation in der Pflege. Für die Pflegebedürftigen, die pflegenden Angehörigen, die professionell Pflegenden. Gemeinsam kämpfen wir in der Pflege- und Gesundheitspolitik für mehr Wertschätzung, mehr Entlastung der Angehörigen, bessere Arbeitsbedingungen und eine gerechtere Finanzierung. Für die Stärkung der Kommunen, damit sie Strukturen für ein selbstbestimmtes und möglichst selbstständiges Leben im Alter und bei Pflegebedürftigkeit schaffen können. Für eine Stärkung der palliativen Pflege auch in den Pflegeeinrichtungen, denn sie sind einer der Orte, wo viele Menschen ihr Lebensende erleben.

Über all diese Aktivitäten der Grünen, haben die Medien nicht besonders oft oder ausführlich berichtet. Dann bittet eine Journalistin der "Welt" im Herbst meine Kollegin um eine Stellungnahme zur Sexualassistenz für schwer Pflegebedürftige, wie sie in den Niederlanden ermöglicht wird. Meine Kollegin äussert sich so, dass sie sich etwas ähnliches wie in den Niederlanden vorstellen kann. Eine persönliche Meinung zu einer sehr speziellen, weitgehend mit Tabu belegten Fachfrage, mitnichten ein Hauptanliegen.
Daraus entsteht jetzt in den Medien: Grüne wollen Sex auf Rezept.


Wie ist es um Medien bestellt, die sich um die Verhältnisse in der Pflege nur selten kümmern, aber im Sinne des "sex sells" gerne mal eine Randfrage ohne inhaltliche Einordnung und konkrete Rückfrage verbreiten? Ich wünsche mir diese öffentliche Aufmerksamkeit für die Überforderung in der Pflege und für mehr Wertschätzung aller, die sich um mehr Menschlichkeit am Ende des Lebens und bei Pflegebedürftigkeit bemühen. Wenn diese Debatte ein echtes Jahr der Pflege einläutet, dann sei dieser Medienhype verziehen."

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09 Jan 2017 15:26 #3 von tomdr85
Hallo Matti,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Ich könnte viel mehr dazu schreiben, aber ich wollte es genau auf diese plakative Aussage reduzieren. Eigentlich wollte ich keine eigene Meinung dazu äußern, habe es aber mit dem kurzen Satz „Sex ist ein Menschenrecht“ kurz dargelegt.
Fr. Elisabeth Scharfenberg von den Grünen hat den Vorschlag gemacht, dabei ging es noch nicht einmal darum, wer die Dienstleistung letztlich bezahlt, sondern nur darum, ob ein behinderter Mensch Anspruch auf ein Sexualleben hat. Das „JA“ kann man gar nicht so groß schreiben wie man sollte.
Wenn ich solche Worte höre fahre ich aus der Haut:
"Wer täglich damit zu kämpfen hat, beim Stuhlgang, Waschen und Essen Hilfe zu erhalten, hat andere Sorgen", sagte der Vorsitzende der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Hier könne die Partei mit Verbesserungsvorschlägen überzeugen. Brysch weiter: "Prostitution für Pflegebedürftige als Leistung der Kommunen. Damit gewinnen die Grünen die Hoheit über bundesdeutsche Stammtische."
Herr Brysch sollte es eigentlich besser wissen.

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09 Jan 2017 15:44 - 09 Jan 2017 15:47 #4 von matti
Hallo Tom,

ich weiß nicht wie viel Gutes die Deutsche Stiftung Patientenschutz praktiziert. Ich kann und will dies jetzt nicht recherchieren und nehme einmal an, dass ihre Tätigkeit sehr wertvoll für ihre Zielgruppe ist.

Auch ist mir Herr Brysch niemals zuvor ein Begriff gewesen.

Wenn man in seiner Selbstdarstellung auf der eigenen Homepage schreibt:

Die Stiftung ist deutschlandweit die einzige unabhängige Patientenschutzorganisation für schwerstpflegebedürftige, schwerstkranke und sterbende Menschen. Sie kämpft bundesweit für ihre Rechte und Selbstbestimmung sowie gegen Willkür und Kostendruck im Gesundheitswesen. Sie vertritt diese Patientengruppe und ihre Angehörigen gegenüber Politik, Krankenkassen und Leistungserbringern, dazu gehören Ärzte, Krankenhäuser oder Pflegeheime.


liegen die Aussagen von Herrn Brysch

"Wer täglich damit zu kämpfen hat, beim Stuhlgang, Waschen und Essen Hilfe zu erhalten, hat andere Sorgen"


aber meilenweit vom eigenem Anspruch entfernt.

Es gibt Menschen die lachen, leben und LIEBEN, auch im Pflegefall!

Matti
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